Theaterabend des Internationalen Bundes mit Fokus auf Partnerschaftsgewalt, gesellschaftlicher Verantwortung und dem Engagement des Frauenbündnisses
Pforzheim, 15. September 2025 –
Im Rahmen einer eindrucksvollen Veranstaltung des Internationalen Bundes wurde am Montagabend ein Theaterstück gezeigt, das die Realität von Partnerschaftsgewalt eindringlich und schonungslos in den Mittelpunkt stellte. Die Darstellung gab einen bewegenden Einblick in das Erleben von Gewalt, deren Verarbeitung – und in die Kraft, ein neues, freies Leben zu beginnen. Gezeigt wurde: Gewalt hat viele Gesichter, doch es gibt Wege der Befreiung – sei es durch örtliche Trennung vom Täter oder durch ein gestärktes Selbstbewusstsein der Betroffenen.
Der Abend machte einmal mehr deutlich, wie alltäglich häusliche Gewalt in unserer Gesellschaft ist – und wie wichtig eine klare, solidarische gesellschaftliche Haltung dagegen.
Einblicke in die Unterstützungslandschaft
Im Anschluss an das Theaterstück stellten die Leiterin des Frauenhauses sowie die Vertreterin der Lillit-Stelle ihre Einrichtungen und deren Angebote vor.
Alle beteiligten Einrichtungen machten deutlich, dass sie mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Die vorhandenen Mittel reichen oft nicht aus – weder, um möglichst vielen Betroffenen helfen zu können, noch um die qualifizierten Fachkräfte, die diese wichtige Arbeit leisten, angemessen zu bezahlen. Viele Angebote sind auf Spenden angewiesen, was die Planungssicherheit und Reichweite stark einschränkt.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich:
Gewaltprävention darf nicht nur bei den Opfern ansetzen – sie muss an der Ursache anpacken: beim Täter.
Täterstrukturen müssen sichtbar gemacht, frühzeitig gestoppt und konsequent sanktioniert werden. Nur so kann Gewalt nachhaltig verhindert werden.
Zivilcourage ist gelebte Demokratie
In einem engagierten Redebeitrag an diesem Abend, betonte Frau Dr. Afsaneh Soruri Fayazi, Sprecherin des Frauenbündnisses, die enge Verbindung zwischen dem Schutz vor Gewalt und dem Erhalt einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft:
„Eine Gesellschaft, die bei Gewalt wegschaut, schwächt sich selbst. Zivilcourage ist kein moralischer Zusatz – sie ist Ausdruck unserer freiheitlichen und solidarischen Grundordnung.“
Demokratie beginnt mit dem Hinschauen, dem Mut zur Intervention – und mit dem Schutz derjenigen, die Unrecht sichtbar machen.
Whistleblowing als Teil der Gewaltprävention
In genau diesem Zusammenhang macht das Frauenbündnis sich stark für ein Arbeitsfeld, das bislang oft zu wenig beachtet wird: Whistleblowing.
Viele Frauen erleben oder beobachten Gewalt, Machtmissbrauch oder kriminelle Handlungen – etwa im häuslichen Umfeld, in Institutionen, am Arbeitsplatz oder innerhalb organisierter Strukturen. Wer den Mut hat, solche Missstände aufzudecken, handelt im Sinne des Gemeinwohls. Doch häufig sehen sich Hinweisgeberinnen selbst massiven Risiken ausgesetzt: Einschüchterung, Repressalien oder soziale Isolation sind keine Seltenheit.
„Whistleblowerinnen sind keine Störenfriede – sie übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft. Deshalb brauchen sie Schutz, Unterstützung und klare rechtliche Rahmenbedingungen,“ betonen die Sprecherinnen des Frauenbündnisses.
Das Bündnis stellt auf seiner Website umfassende Informationen bereit – u. a. zum anonymen Hinweisgebersystem der Polizei Baden-Württemberg sowie zu Anlaufstellen für Beratung und Begleitung. Betroffene können sich auch direkt an die Sprecherinnen des Frauenbündnisses wenden. Vertraulichkeit wird dabei ausdrücklich zugesichert.
www.frauenbuendnis-pfenz.de
Politischer Handlungsbedarf: Klare Forderung an die Gesetzgebung
Abschließend möchte das Frauenbündnis einen deutlichen Appell an die politischen Entscheidungsträger richten:
„Täter aus dem Umfeld von Korruption, organisierter Kriminalität und Machtmissbrauch agieren oft im Verborgenen – und mit perfider Strategie. Es kann nicht sein, dass Frauen, die solche Strukturen offenlegen, selbst in Gefahr geraten, während Täter straflos bleiben oder durch Netzwerke geschützt werden.“
Das Frauenbündnis fordert daher eine konsequentere Strafverfolgung solcher Täter, die effektive Einschränkung ihrer Handlungsspielräume und den Ausbau rechtlicher Schutzmechanismen für Whistleblowerinnen.
Nur eine wehrhafte, gerechte und solidarische Gesellschaft kann demokratische Werte nachhaltig schützen.
Kontakt für Rückfragen:
Frauenbündnis Pforzheim/Enzkreis